Das Fotoarchiv der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora

In alle Welt ist nach 1945 die fotografische Überlieferung der Geschichte Mittelbau-Doras verstreut worden. Nach jahrelangen Recherchen im In- und Ausland sind diese Fotografien systematisch zusammengetragen, ausgewertet und digital erfasst worden.

Digitalisierung des Fotobestandes

Im Rahmen eines im August 2004 begonnenen und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Forschungsprojektes wurde dieser bislang nur in Teilen erfasste und weitgehend ungeordnete Bestand historiographisch umfassend erschlossen, nach dem Provenienzprinzip verzeichnet und digital inventarisiert. Die Bearbeitung erfolgte durch den Historiker Holm Kirsten.

Das Projekt hat Modellcharakter für andere Gedenkstätten und Archive, in denen generell eine gründliche Revision der Fotobestände ansteht. Mit der Sammlung fotografischer Zeugnisse von NS-Verbrechen und der Nutzung für Ausstellungen oder pädagogische Zwecke stehen sie in einer besonderen Verantwortung.

Durch das Forschungsprojekt wurden die Voraussetzungen geschaffen, langfristig den gesamten Fotobestand zum KZ Buchenwald, soweit es urheber- oder lizenzrechtliche Belange erlauben, als dynamisch ergänzbare, digitale Datenbank mit personellem Zugang über das WWW für Fachleute, Pädagogen oder interessierte Laien zur Verfügung zu stellen. In einem ersten Schritt werden 500 ausgewählte Fotografien präsentiert.

Überlieferung und Inventarisierung

Viele Fotos befinden sich heute in den USA; sie wurden von amerikanischen Soldaten als Beweismittel für Prozesse gegen das SS-Personal sichergestellt oder selbst aufgenommen. Andere Fotos, die die Zwangsarbeit im unterirdischen Raketenwerk zeigen, stammen von bekannten NS-Fotografen wie Walter Frentz oder Hanns Hubmann und wurden zum Teil erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt. Auch heimlich von Häftlingen im Lager gemachte Fotos blieben erhalten.

Einen großen Bestand bilden Fotografien, die sich in den Nachlässen ehemaliger Häftlinge oder im Besitz ihrer Angehörigen befinden. Manche Fotografien wurden der Gedenkstätte auch von Anwohnern im Umfeld der Lager zur Verfügung gestellt. Die Fotografien sind nach neuesten wissenschaftlichen Kriterien nach dem Provenienzprinzip inventarisiert und zur öffentlichen Nutzung über das Internet digital erschlossen worden.

Das Online-Fotoarchiv Mittelbau-Dora präsentiert eine Auswahl von 500 der insgesamt 1700 inventarisierten historischen Aufnahmen aus den Sammlungsbeständen. 
Eine schrittweise Erweiterung ist geplant.

Quellenkritik: Wissenschaftliche und pädagogische Nutzung

Die Online-Fotoarchive der Stiftung sind auch eine Offerte an Schüler, Studenten und Lehrer, das angebotene Bildmaterial im Unterricht oder beim Studium zu nutzen. Die pädagogische Intention des Projekts beschränkt sich jedoch nicht auf eine reale Bereicherung des Unterrichtsmaterials durch entsprechende, leicht reproduzierbare Bildinhalte.

Die Bilddatenbank soll als Aufforderung zur bewussten Auseinandersetzung mit historischen Fotos als Quelle gesehen werden: Wie andere Quellengattungen (etwa schriftliche Quellen oder mündliche Zeitzeugenberichte) müssen Fotografien quellenkritisch überprüft und historisch kontextualisiert werden: Nie sind sie ein getreues Abbild historischer Wirklichkeit. Im weitesten Sinne geht es um die Sensibilisierung für einen medienkritischen Umgang mit historischen (und aktuellen) Bildern.

Weitere Fotorecherche

Die Gedenkstätte Mittelbau-Dora ist bemüht, die Fotobestände weiter zu ergänzen. Wenn Sie über historische Fotografien aus der Zeit der Lagers oder der frühen Gedenkstättengeschichte verfügen, wenden Sie sich bitte an die Dokumentationsstelle der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora.